Fragen an Ray zur Auflösung von Coverboy


Fan:

Ray, warum hast Du Coverboy aufgelöst?

Ray:

Dass ich nun auf eine Flut dieser Fragen gefasst sein muss, war mir klar. Ich habe dazu meine persönlichen Gründe. Ich kann und möchte sie nicht öffentlich debattieren.

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Fan:

Was zeichnete Coverboy deiner Meinung nach aus, was war das besondere?

Ray:

Coverboy war eine Hardrockpartyband. Eine Band, die ein großes Spektrum der Musikgeschichte widerspiegelte. Das machte uns vielseitig. Natürlich wurde immer versucht auch die eigenen Vorlieben mit einzubringen. Da mussten teilweise ziemliche Kompromisse eingegangen werden. Keine Kompromisse sind wir eingegangen, wenn uns das Wetter bei einem Open Air einen Streich spielen wollte. Wenn du eine Rockband hast, dann musst du da durch. Ich erinnere mich immer noch gern an die Wassermassen beim Altstadtfest FFB 2004. Alle Bands sind heimgefahren, wir haben gespielt! Eine solche Einstellung macht dich beliebt.

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Fan:

Habt ihr mit einer Agentur zusammen gearbeitet?

Ray:

Nein, alles Heimarbeit.

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Fan:

Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, eine solche Band zu organisieren?

Ray:

Mehr als du denkst. Coverboy war eine Hobbyband, jeder von uns hat einen anständigen Beruf, so dass der finanzielle Aspekt nicht wichtig war. Trotzdem musste man dieses Projekt wie eine kleine Mini-Firma betrachten, mit der Einschränkung, dass kein Gehalt gezahlt wird. Du hast insgesamt sechs Mitarbeiter, du hast verschiedene Sub-Unternehmer, Auftraggeber und Zuarbeiter. Alles muss optimal rund laufen, keiner darf versagen, sonst klappt der Gig nur bedingt. Die Mitarbeiter, sprich Bandmitglieder, müssen top vorbereitet sein, die als Sub-Unternehmer bezeichneten Ton-und Licht-Leute müssen ein funktionstüchtiges Equipment mitbringen. Jeder muss pünktlich da erscheinen, wo er benötigt wird. Mit dem als Auftraggeber bezeichneten Veranstalter musst du ein spezielles Verhältnis haben und seine Denkweise verstehen. Der Veranstalter ist meist nur auf Profit aus, je mehr er Umsatz macht umso besser läuft es für ihn und umso sicherer bucht er dich erneut. Der Veranstalter selbst wiederum muss auch die Belange einer Rockband verstehen und versuchen auf diese einzugehen.

Dann noch die ganzen organisatorischen Geschichten, die alle im Hintergrund ablaufen. Ich erzähl da ja nichts neues, geht ja vmtl. fast jeder Band so. Du musst eine Webseite pflegen. Hunderte Fotos bearbeiten und einstellen. Viele E-Mails beantworten. Du musst dich um die Werbung kümmern und Plakate verschicken. Du musst dich mit Veranstaltern treffen und telefonieren. Du musst ständig Termine koordinieren. Du musst dich um alle Belange kümmern, die den Proberaum betreffen. Du musst dir für jeden Gig eine eigene Setliste ausdenken und das kostet enorm viel Zeit, wenn diese perfekt sein soll. Du musst dich sogar mit anderen Bands rumärgern, die ganze Seiteninhalte deiner Webseite einfach auf ihre kopieren. Wie viel Zeit, Energie und Nerven es kostet, sich mit all diesen Aspekten auseinander zu setzen, kann man vmtl. nur erahnen. Und man hat ja auch noch ein anderes Leben neben der Band...

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Fan:

Wie oft habt ihr geprobt?

Ray:

Meistens einmal in der Woche. In frühen Jahren waren es oft zwei Proben pro Woche.

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Fan:

Die Band gab es nun 20 Jahre. Andere schaffen das Doppelte?

Ray:

Ja, das stimmt schon. Wenn Du Dir diese Bands aber mal genauer anschaust, wirst Du feststellen, dass diese von einer riesen Maschinerie angetrieben werden. Es handelt sich in der Regel um Weltstars, die nichts mehr anderes tun müssen, als fast jeden Abend zweieinhalb Stunden zu spielen und das jedesmal vor tausenden von Zuschauern. Alles andere erledigen Tourmanager, Roadies, Agenturen, Veranstalter, Promoter usw. Dass sowas nicht von einer Hobby-Band geleistet werden kann, ist klar. Entsprechend ausgebrannt bin ich nun auch.

Die kleineren Bands, die sich solange gehalten haben, mögen sich in ihrer Struktur, ihrer innerbetrieblichen Konstellation und ihres Konzeptes Coverboy ähneln, ein pauschaler Vergleich ist dennoch nie möglich.

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Fan:

Wie haben die Bandmitglieder deine Entscheidung aufgenommen?

Ray:

So und so. Es ist natürlich schwer nachvollziehbar, wie man eine Band wie Coverboy freiwillig auflösen kann. Allerdings gab es bereits seit Jahren ernstzunehmende Anläufe zur Trennung. So z.B. nach dem Ausstieg von Andi 2005 und später auch dem Ausscheiden von Tilli 2007 und dann auch noch von Hubert 2010.

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Fan:

Ja vielleicht noch ein paar Worte zu den Ehemaligen?

Ray:

Ganz entscheidend zum Erfolgskonzept von Coverboy beigetragen haben bereits von Anfang an der Gitarrist Reiner Riedl, später dann Andi Sedlmayr, dann Tilli Fischer (beide ebenfalls Gitarre) und Hubert Gunzinger an den Keyboards. Erneut neue musikalische Akzente und Herausforderungen wurden dann durch das Team Rübe, Christian und Uwe eingebracht und erfolgreich umgesetzt. Schon allein Uwe's Keyboard-Soli, sie waren nicht einfach nur zum Hören, nein, man konnte sie sogar richtig sehen (und er hat seine tragbare Orgel nie runtergeschmissen!).

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Fan:

Und wie geht's jetzt weiter?

Ray:

Momentan muss ich wieder Kräfte sammeln. Ich wende mich jetzt der musikalischen Epoche zu, die mir immer schon am Herzen lag, the very real Glam Rock of the 70s.


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